Aktuelle Projekte und Themen

 

 

XVIII. IFOTES International Congress 2010 in Vienna:
“Listening for Peace – Exploring Alternatives to Violence“

 Von 10. – 14. Juli 2010 findet in Wien der alle drei Jahre stattfindende internationale Kongress für ehren- und hauptamtliche MitarbeiterInnen aller TelefonSeelsorge-Stellen statt. Gemeinsam mit dem internationalen Dachverband IFOTES (International Federation of Telephone Emergency Services) mit Sitz in Genf und der jeweiligen Landesorganisation des Gastlandes wird dieser Kongress vorbereitet und dient dem Austausch und der Weiterbildung.

Die TelefonSeelsorge Österreich ist ebenfalls Mitglied des Internationalen Verbandes IFOTES, der unter seinem Dach 600 Organisationen aus 26 Ländern vereint. 30.000 ehrenamtliche und 600 hauptamtliche MitarbeiterInnen stehen rund um die Uhr für Gespräche zur Verfügung. Etwa die Hälfte der Einrichtungen hat eine kirchliche Trägerschaft.

IFOTES und die TSÖ (TelefonSeelsorge Österreich) stellen den Internationalen Kongress 2010 unter das Thema „Listening for Peace – Exploring Alternatives to Violence“.

 

Dabei stützen wir uns bei der Definition von Gewalt auf die WHO:

„Gewalttätigkeit ist die absichtliche Anwendung von körperlicher Stärke oder eines Machtverhältnisses, sei es angedroht oder tatsächlich, gegen sich selbst, gegen eine andere Person oder gegen eine Gruppe oder Gemeinschaft, die zu Verletzung, Tod, seelischem Leid, persönlicher Fehlentwicklung oder persönlichen Verlust führt oder mit hoher Wahrscheinlichkeit führen kann“ (WHO – Weltgesundheitsorganisation www.who.int/topics/violence/en/ ).

 

Telefonische Notrufdienste begegnen Menschen, die von Gewalt in verschiedenster Weise betroffen sind. Das Ziel vom IFOTES-Congress 2010 in Wien ist es, das Bewusstsein und das Wissen bezüglich Gewalt in all seinen Ausformungen und Lebensbereichen zu vertiefen und friedvolle Alternativen zu suchen, im besondern für Anruferinnen und Anrufer, aber auch für die MitarbeiterInnen von Notrufeinrichtungen, um damit psychische und physische Gesundheit und letztlich eine gewaltfreie Gesellschaft zu fördern.

 

Die Sicht auf die individuelle Erfahrung von Gewalt

Das Erleben von Gewalt hinterlässt einen anhaltenden Eindruck bei den Betroffenen, der Menschen verändert, ihre Gedanken, Gefühle und Handlungen beeinflusst.

Bewusst gemacht werden muss aber auch, das wir nicht nur mit äußerer Gewalt zu tun haben, sondern, dass wir selber Träger von aggressiven Gedanken und Handlungsmustern sind.

Worin Gewaltstrukturen beim Individuum begründet sind und wie sie sich gegenüber anderen, aber auch gegenüber der eigenen Person richten (Selbstschädigung, Suizid), soll an diesem Tag beleuchtet werden. Ebenso sollen  Alternativen und Bedingungen zur Entwicklung einer gesunden und friedvollen Persönlichkeit aufgezeigt werden.

 

Gewalt in Beziehungen

Diese tritt in verschiedenen sozialen Bereichen auf: in Familien (zwischen Mann und Frau, Eltern und Kind, unter Kindern, zwischen alten und jungen Menschen), am Arbeitsplatz in der Schule, in der Peer-Gruppe. Deshalb soll das Augenmerk auf das Entstehen und die Dynamik von Gewalt (z.B. Hilflosigkeit, Überforderung, Sprachlosigkeit) gerichtet sein  und auf die damit verbundenen Gefühle, sowie auf sprachliche Muster und Handlungen, welche gewalttätige Reaktionen hervorrufen.

Dieser Tag soll auch MitarbeiterInnen helfen, mit aggressiven AnruferInnen besser umzugehen, sich nicht selbst im Gespräch zu aggressiven Verhalten provozieren zu lassen, sondern alternative Möglichkeiten für eine friedvollere Kommunikation zu finden. 

 

Strukturelle Gewalt – Gewalt in der Gesellschaft und im sozialen Umfeld

Telefonische Notrufeinrichtungen werden auch von Menschen kontaktiert, die mit „indirekter Gewalt“ konfrontiert sind. Diese so genannte „strukturelle Gewalt“, die sich z.B. in der ungleichen Verteilung des Wohlstands, in Armut, Ausgrenzung, Zwei-Klassenmedizin, ungleiche Bildungschancen, Arbeitslosigkeit und Fremdenfeindlichkeit äußert, ist allgegenwärtig, wird aber oft nicht als solche wahrgenommen, sondern wird geduldet, ignoriert oder einfach akzeptiert. MitarbeiterInnen sehen ihre Aufgabe darin, Menschen in diesen ungerechten Lebenssituationen beizustehen, sie zu stärken und zu ermutigen.

Kongressteilnehmern lernen an diesem Tag, Formen  und  Auswirkungen von struktureller Gewalt kennen und wie sie als MitarbeiterInnen betroffene AnruferInnen unterstützen können.

Außerdem sollte die Frage gestellt werden, wie TelefonSeelsorge als ein soziales Gewissen der Gesellschaft wirksam werden kann.

 

Nähere Informationen auf der Homepage www.ifotescongress2010.org