Sunday 19. May 2019

Weihnachtszeit und (Sehn-)Süchte

Die Weihnachtszeit mit ihren vielen beruflichen und privaten Feiern löst bei Menschen häufig Stress aus, oft verknüpft mit zu hohem Alkoholkonsum. Die TelefonSeelsorge Österreich wies bei einem Pressegespräch am 17.12. gemeinsam mit dem ärztlichen Leiter des Anton Proksch Instituts, Michael Musalek, auf Unterstützungsmöglichkeiten in schwierigen Situationen hin.

„Kann ich ein bisschen mit Ihnen reden? Meine Frau ist vor kurzem gestorben. Es ist so leer ohne sie, ich fürchte mich vor Weihnachten.“ – „Meine Mutter trinkt viel zu viel. Ich habe Angst vor dem Heiligen Abend, der jedes Jahr in einen groben Streit ausartet.“ – „Ich war so lange erfolgreich trocken, aber rund um Weihnachten wird mir alles zu viel. Ich habe Angst, wieder rückfällig zu werden.“ Solche und ähnliche Anrufe kennen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TelefonSeelsorge Österreich – Notruf 142 nur zu gut.

Bei einem Pressegespräch am Montag wies die Organisation auf die Kraft des Gesprächs in schwierigen Zeiten hin. DSA Marlies Matejka, Leiterin der TelefonSeelsorge Wien: „Die Anruferinnen und Anrufer können bei uns ohne Angst vor Bewertungen oder Konsequenzen, ohne das Gefühl, versagt zu haben, und ohne Scham mit einer neutralen Person über ihre Schwierigkeiten, Sorgen, Ängste und Nöte sprechen.“ Ihre oberösterreichische Kollegin, Mag.a Silvia Breitwieser, ergänzt: „Unsere Stärken sind Empathie und emotionale Zuwendung. Oft geht es weniger ums Reparieren als ums Respektieren. So gelingt es meist, gemeinsam erste Schritte zu entdecken, die aus der Enge herausführen.“

Seit mehr als 50 Jahren ist die TelefonSeelsorge Österreich für die Menschen da, vor genau 20 Jahren erhielt sie den amtlichen Notrufstatus, gleich einer Blaulichtorganisation. Die drei Hauptberatungsthemen sind Beziehungsprobleme, Einsamkeit und die psychische Gesundheit der Anruferinnen und Anrufer.

 

Suchtmittel in Stresssituationen

Für Menschen mit Alkoholproblemen ist die Weihnachtszeit besonders herausfordernd. Feiern am Arbeitsplatz oder Zusammenkünfte in der Familie können Stresssituationen auslösen oder schlicht Gelegenheit bieten, verstärkt Suchtmittel zu konsumieren – nicht nur Alkohol, sondern etwa auch Medikamente. Die Medikamentensucht ist eine weitgehend unterschätzte Erkrankung mit geschätzten 150.000 Betroffenen in Österreich – und einer hohen vermuteten Dunkelziffer. Beide Suchtformen eint, dass sie meist zu spät erkannt bzw. behandelt werden.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek, ärztlicher Leiter des Anton Proksch Instituts, betonte im Rahmen des Pressegesprächs am Montag: „Beratungseinrichtungen wie der TelefonSeelsorge kommt gerade in der emotional aufwühlenden Weihnachtszeit eine entscheidende Rolle zu. Sie sind auch für Suchtkranke eine niederschwellige und daher wichtige Anlaufstelle. Je früher ihnen geholfen wird, desto schneller können sie zurück in ein Leben ohne Sucht finden.“

Diese Hilfe steht selbstverständlich nicht nur den Betroffenen, sondern auch ihren Angehörigen offen – sowohl bei der TelefonSeelsorge als auch im Anton Proksch Institut direkt. Sie werden dort in eigenen Gruppen betreut. Musalek: „Die Feiertage sind für Angehörige von Suchtkranken oft besonders belastend. Mit professioneller Hilfe kann viel menschliches Leid verhindert werden.“

 

Über die TelefonSeelsorge Österreich

Die TelefonSeelsorge Österreich – Notruf 142 ist unter der Nummer 142 kostenlos (von Festnetztelefonen und Handys) 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche erreichbar, auch an Wochenenden und Feiertagen. Die Organisation bietet ein offenes Ohr, Entlastung und Unterstützung für alle Anrufenden, unabhängig von deren Alter, Geschlecht, Religion und sozialer Herkunft. Verschwiegenheit ist dabei garantiert. Auf www.onlineberatung-telefonseelsorge.at gibt es auch ein Angebot für Chat- bzw. Mail-Beratung.

 

Über das Anton Proksch Institut

Im Anton Proksch Institut (API) finden alle Menschen Hilfe – unabhängig davon, ob ihre Suchterkrankung stoffgebunden oder stoff-ungebunden ist. In der vor mehr als 60 Jahren gegründeten Einrichtung in Wien-Liesing werden Alkohol- und Nikotinsucht ebenso behandelt wie Medikamentensucht, die Abhängigkeit von illegalen Substanzen sowie Kauf-, Spiel- und Internetsucht. Die Beratungsstellen in Wien (Radetzkystraße, Wiedner Hauptstraße) und Niederösterreich (Mödling, Baden, Wr. Neustadt, Neunkirchen) bieten niederschwellige, ambulante Hilfe. Das Haus in Wien-Liesing ist mit etwa 280 Betten das größte seiner Art in Österreich. Eigentümer sind der weltweit führende Gesundheitsdienstleister VAMED sowie die Stiftung Anton Proksch-Institut Wien.

 

Hier die gesamten Presseunterlagen zum Download.

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Photo by Jacqueline Godany

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TelefonSeelsorge Österreich - Notruf 142
http://www.telefonseelsorge.at/
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